Moorböden - Einfach bewässern? · Artikel · Klim

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Einführung

Die Entwässerung deutscher Moore ist eine große Quelle von Treibhausgasen im menschengemachten Klimawandel. Deutschland ist der größte Verursacher dieser Gase innerhalb der EU. Mit einem Anteil von sieben Prozent machen die Emissionen aus trockengelegten Feuchtgebieten einen erheblichen Anteil an den deutschen CO2-Emissionen aus. Nicht nur in Europa, sondern auch im Rest der Welt, werden Moore zugunsten der Gewinnung landwirtschaftlicher Fläche entwässert. Die mögliche Rückumwandlung könnte einen immensen Beitrag zur Einsparung klimaschädlicher Treibhausgase leisten.

 

Erforschung der Moore

Moore sind ein äußerst effektives System zur Speicherung von Kohlenstoff und damit ein wirksames Werkzeug gegen den Klimawandel. Unser Artikel über Paludikulturen erklärt, wie sie funktionieren. Obwohl sie gerade einmal drei Prozent der weltweiten Landfläche ausmachen, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt zusammen. Trotz ihrer wichtigen Rolle für das Weltklima, werden sie zur Landwirtschaft häufig trockengelegt. Daraus folgt die Freisetzung gespeicherter Treibhausgasemissionen. Während die Landwirtschaft über einen weit ausgebildeten Markt verfügt, werden Moore mit landwirtschaftlich nicht nutzbarer Fläche und fehlenden Erträgen assoziiert. 

Die Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern ist eines der weltweit größten und bedeutendsten Zentren für die Moorforschung. Neben der Erforschung intakter Moore, befasst man sich hier auch mit den Folgen der Trockenlegung und konkreten Maßnahmen zur möglichen Wiedervernässung. Dort wurde ein Pilotprojekt gestartet, welches zeigen soll, dass Klimaschutz und Ertrag keine Widersprüche sein müssen. Dazu wurden verschiedene Ansätze erprobt.

 

Umkehrprozess der Trockenlegung

Die Speicherleistung der Feuchtgebiete basiert auf abgestorbenen Pflanzen, die unter der Oberfläche konserviert werden. Wird ein Moor entwässert, so passiert folgendes: Sauerstoff kommt hinzu, der mikrobielle Abbau beginnt und Kohlenstoffdioxid wird freigesetzt - ein Prozess, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Die Umkehrung dieses Prozesses könnte neben der positiven Wirkung für das Klima auch zur Entstehung wertvoller Lebensräume für seltene Tierarten beitragen. Die sogenannte Wiedervernässung von Mooren beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. 

 

Nutzfläche oder Moor - oder beides?

Landwirte sehen diese Forderung äußerst kritisch. Die Devise lautet: Landwirtschaftliche Nutzfläche oder unbenutzbares Feuchtgebiet. Dabei ist eine Lösung, die beides vereint, möglich. Im Pilotprojekt der Universität Greifswald wird der Anbau von Rohrkolben (lat. typha) als Möglichkeit gesehen. Er kann auf Moorböden wachsen und ist ein wiederentdeckter Rohstoff. Er kann vor allem in der Baubranche für die Herstellung innovativer Baustoffe dienen. Wegen seiner besonderen Eigenschaften in den Bereichen Tragwirkung und Dämmung, stellen Produkte aus Rohrkolben eine echte Alternative zu Holz dar, die jährlich auf derselben Fläche etwa den vierfachen Ertrag von heimischen Nadelwäldern produzieren. Noch zählt diese Pflanze allerdings nicht als Erzeugnis der Landwirtschaft. Deshalb kann eine zuvor landwirtschaftlich genutzte Fläche nach der Bewässerung und dem Anbau von Rohrkolben keine flächenbezogenen Agrarförderungen der EU mehr erhalten. Ein Risiko, das kaum ein Landwirt eingehen will. Zur Fütterung der Tiere taugt etwa die Art Röhricht zwar nicht - zusätzlich ist aber auch eine energetische Nutzung denkbar. Zudem könnte die Paludikultur, eine landwirtschaftliche Nutzform nasser Hoch- und Niedermoore ab 2023 subventioniert werden. 

 

Fazit

Die Wiedervernässung von trockengelegten Flächen kann z.B. in Form von Paludikulturen landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen und Erträge generieren. Bislang fehlt es allerdings an Absatzmärkten für Rohrkolben. Versuche der Universität Greifswald zeigen, dass mit der richtigen Anbaustrategie und spezieller Erntemaschinen gute Erträge zu erwarten sind. Es bedarf einer finanzieller Agrarförderung, die nicht nur für landwirtschaftlich genutzte Flächen, sondern auch für Feuchtgebiete erteilt werden kann. Zusammen mit der Nutzung von wiedervernässten Flächen für die Erzeugung von Rohrkolben und einem sich weiter entwickelnden Absatzmarkt, könnte nicht nur ein wichtiger Anreiz zu effizientem Klimaschutz geschaffen werden - sondern auch eine Form der Landwirtschaft entstehen, die auch finanziell lohnend ist.

 

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