Glyphosatverbot - was nun? · Nachrichten · Klim

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Kurzgefasst

Die Deutsche Bundesregierung hat sich für ein ab Januar 2024 geltendes Glyphosatverbot entschieden.

Die Deutsche Bundesregierung hat vor, ab dem Januar 2024 Glyphosathaltige Herbizide zu verbieten. Dies wird mit dem Ziel, eine nachhaltigere Landwirtschaft mit einer höheren Artenvielfalt und somit steigender Ernährungssicherheit fördern zu wollen, begründet. Das Verbot würde mit enormen Herausforderungen für die Landwirtschaft einhergehen. Jedoch gibt es bereits einige alternative Praktiken, die in Kombination den Bedarf von Pflanzenschutzmitteln ersetzen könnten.

 

Warum fällt Glyphosat weg?

Innerhalb des “European Green Deal” ergreift die EU zurzeit mehrere Maßnahmen, Lebensmittelsysteme nachhaltiger zu gestalten. Die sogenannte SUR-Verordnung (Sustainable Use Regulation) sieht vor, die Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Davon ist auch das weit verbreitete Pflanzenschutzmittel Glyphosat, auch unter dem Markennamen “RoundUp” bekannt, betroffen.

Geplant ist ein vollständiges, deutschlandweites Glyphosatverbot ab dem Jahr 2024. Derzeit bestehen aber noch einige Uneinigkeiten über dieses Verbot. Wärhend die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine erneute Zulassung des Herbizides für unkritisch einschätzt, wird geprüft, ob Deutschland trotz einer EU-Erlaubnis ein Verbot für die deutschen Landwirte erteilen kann. 

 

Was ist eigentlich Glyphosat?

Der chemische Wirkstoff Glyphosat wird als Breitbandherbizid charakterisiert. Es hat ein erheblich breites Wirkungsspektrum gegen eine Vielzahl von Unkräutern, wirkt jedoch nicht gegen alle Pflanzen. Der Wirkstoff wird über die Blätter aufgenommen, wo er die Bildung von essentiellen Aminosäuren blockiert, was innerhalb einiger Tage zum Kollaps der Proteinbildung und dem Absterben der Pflanze führt. Außerdem ist es nicht selektiv und wirkt daher gegen jede getroffene Pflanze. Aufgrund der hohen Wirksamkeit und des niedrigen Preises hat sich Glyphosat seit der Markteinführung im Jahr 1974 schnell zu einem der weit verbreitetsten Herbizide weltweit entwickelt.

 

Wissenschaftliche Studien

In den letzten Jahrzehnten wurden tausende von Untersuchungen zu Glyphosat und dessen Effekt auf unsere Gesundheit und die Umwelt durchgeführt. 

 

Gesundheit

2015 veröffentlichte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) eine Studie mit dem Urteil, dass Glyphosat “wahrscheinlich krebserregend” sei. Andere Behörden hingegen, wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), bewerteten den Wirkstoff als nicht krebserregend. Die unterschiedlichen Ergebnisse scheinen daher zu stammen, dass die Konzentration in einigen Studien viel höher ist als in der landwirtschaftlichen Verwendung. Aufgrund von über 1.000 Studien hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im Jahre 2015 das Fazit gezogen, dass der Wirkstoff Glyphosat bei sachgerechter Anwendung “unbedenklich” für die Gesundheit ist. 

 

Umwelt

Als Herbizid verursacht Glyphosat das Absterben von Unkräutern und Wildpflanzen, welche für Tiere als essenzielle Nahrungsgrundlage dienen. Daher sieht das Umweltbundesamt den Einsatz dieses Pflanzenschutzmittels als riskant an und fordert einen höheren Schutz der biologischen Vielfalt. Kürzlich ergab eine Studie, dass Florfliegen - wichtige Nützlinge zur Bekämpfung von Schadinsekten - von Glyphosat stark in ihrer Entwicklung und Lebensdauer beeinträchtigt werden. Zahlreiche weitere Studien bestätigen die Ergebnisse und weisen negative Auswirkungen auf Mikroorganismen, Insekten, Amphibien, Vögel sowie auf das Grundwasser auf. Es lassen sich nur wenige Studien finden, die keinen direkten Effekt von Glyphosat auf die Umwelt vorfinden können.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das gesundheitliche Risiko von Glyphosat in Deutschland gering ist, da die zugelassenen Mengen hierorts im Vergleich zum globalen Durchschnitt niedrig sind. Die Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen auf die Umwelt hingegen zeigen eine starke Tendenz zur Schädlichkeit des Wirkstoffes. 

Zurzeit führt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine ausführliche wissenschaftliche Untersuchung durch, damit gegen Ende des Jahres 2023 eine genauere Risikobewertung zu dem Wirkstoff Glyphosat vorliegt, und eine wissenschaftlich fundierte Entscheidung getroffen werden kann.



Die Rolle von Glyphosat in der Landwirtschaft

Glyphosat wird in der konventionellen Landwirtschaft hauptsächlich zur Unkrautbekämpfung und zum Resistenzmanagement verwendet. In der Regenerativen Landwirtschaft hat der Einsatz eine Bedeutung für bodenschonende Anbauverfahren, wie die Mulch- und Direktsaat. In Deutschland wird Glyphosat derzeit auf fast 40 Prozent der Ackerfläche verwendet und ist somit das am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Zu den Gründen, weshalb Glyphosat so weit verbreitet ist, gehören unter anderem, dass es hochwirksam Unkräuter vernichtet, relativ preiswert und fast universell einsetzbar ist. Der Nutzen für deutsche Landwirte wird auf rund 145 Mio. € pro Jahr geschätzt, wobei die Kosten für Umwelt und Mensch nicht eingerechnet wurden.

 

Probleme durch das Glyphosatverbot

Der Großteil der deutschen Landwirtschaft fürchtet das kommende Glyphosatverbot. Da das Herbizid eine so hohe Bedeutung hat, wird der Entfall einige Herausforderungen aufwerfen. Vor der Aussaat, beispielsweise, wird das Mittel genutzt, um sämtliche Unkräuter, Ausfallgetreide und nicht komplett abgefrorene Zwischenfrüchte von dem Acker zu entfernen. Im Nachlauf wird es häufig eingesetzt um Nachverunkrautung entgegenzuwirken. Besonders auf erosionsgefährdeten Flächen ist es schwierig, Glyphosat zu ersetzen, da mechanische Verfahren den Boden stark abtragen.

Vor allem regenerative Betriebe sehen hier keine vergleichbaren Alternativen und fürchten daher um ihre Existenz. 

 

Welche Alternativen gibt es?

Eine offensichtliche Alternative für die konventionelle Landwirtschaft scheint das Pflügen zu sein. Aufgrund der höheren Erosion und der geringeren Kohlenstoffspeicherung ist der Pflug jedoch nicht die richtige Lösung für regenerativ wirtschaftende Betriebe. 

Darüber hinaus gibt es einige regenerative Praktiken, die man in Betracht ziehen kann. Sehr interessante Ergebnisse ergab das Projekt “Smarte UNkraut Kontrolle” über innovative Strategien zum Glyphosatverzicht im pfluglosen Ackerbau, durchgeführt von der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB). Einige Alternativen zu Glyphosat stellen wir hier vor:

Hierbei ist zu beachten, dass Glyphosat häufig nicht lediglich durch eine Alternative ersetzt werden kann. Es müssen mehrere alternative Praktiken kombiniert werden, um eine optimale Lösung zu erreichen. Nicht jede Methode passt zu jedem Betrieb, weshalb der Standort, die Ausrüstung und der Bodenzustand berücksichtigt werden müssen. In den folgenden Artikeln gehen wir tiefer in die Alternativen zu Glyphosat bei der Direktsaat und den Zwischenfrüchten ein. 

 

Fazit

Ohne Frage hat Glyphosat eine enorm hohe Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft, weshalb das Verbot eine immense Herausforderung darstellt. Obwohl es also einige Alternativen gibt, wird es in Deutschland bald nicht mehr die Generallösung zur Unkrautbekämpfung geben. Glyphosat hat die globale Ernährungssicherheit gestärkt und der Landwirtschaft einiges ermöglicht, aber die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt sollten nicht unbeachtet bleiben. Auf lange Sicht ergibt es durchaus Sinn, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu optimieren und nachhaltigere Alternativen einzusetzen. In dieser Umbruchphase ist es nun unglaublich wichtig, dass Landwirte sich gut informieren und ihre individuellen Möglichkeiten betrachten, um die passende Lösung für sich zu finden. 

 

Anlage Dauergrünland,Untersaaten