Untersaaten im Raps · Artikel · Klim

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Raps: Rückkehr als Untersaat-tragende Kultur

Raps eignet sich als Untersaat-tragende Kultur hervorragend. Zur Reife des Raps ist der Boden halb beschattet. In Kombination mit einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit sind das die idealen Bedingungen für eine bodennahe Vegetation und Diversität. Richtig angewendet stellt die Untersaat im Raps auch bei der Ernte kein Problem dar. 

Besonders der Anbau von Untersaaten mit einem Leguminosenanteil kann zu einer signifikanten Erhöhung der Stickstoffakkumulation im Raps führen. Studien weisen einen Anstieg von 20-40 kg N/ha bei der Integration von z.B. Wicken, Ackerbohnen, Futtererbse, Linsengras, Bockshornklee und Berseemklee in die Untersaatenmischung nach. Der Anbau von Untersaaten im Rapsbestand führt auch zu einer Stickstoffdünger-Rückgewinnung, was wiederum die Stickstoffversorgung der Rapspflanzen verbessern kann. Zusätzlich reduziert die Ausbringung von Raps mit einer Untersaat den Unkrautdruck deutlich und trägt zu einem gesunden Pflanzenwachstum bei. 

Untersaaten, die wir euch raten

Besonders  gedeiht Raps in Kombination mit 

Allgemein sollten Pflanzenarten gewählt werden, die im Herbst nicht zu konkurrenzstark werden, also zu schnell, zu hoch wachsen und nicht zur Aufstängelung neigen. Denn das kann das Risiko des Überwachsens erhöhen und dazu führen, dass der Raps durch den Konkurrenzdruck aufstängelt und an Winterhärte verliert.

Leguminosen als Untersaat - eine knifflige, aber vielversprechende Angelegenheit

Die Integrierung von Leguminosen in der Untersaatmischung im Raps ist besonders knifflig, da diese mindestens zehn Tage vor dem ortstypischen Aussaattermin mit dem Raps ausgesät werden sollten, damit sich die Knöllchen gut entwickeln können. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Untersaat die Rapspflanzen überwachsen könnten und eine starke Konkurrenz im Wachstum bilden. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Auswinterung des Rapses.

Dabei sorgen Untersaatmischungen mit einem Leguminosenanteil aber auch für viele Vorteile im Rapsbestand: Ein nachweislich reduzierter Schädlingsbefall sowie eine verbesserte Unkrautunterdrückung und ein sehr positiver Einfluss auf die Bodengesundheit. 

Leguminosen, die über den Winter nicht abfrieren, sollten im Frühjahr durch eine Herbizidmaßnahme kontrolliert werden (z. B. Lontrel). 

Das Timing ist entscheidend

Der Zeitpunkt zur Aussaat von Untersaaten in Form von unterschiedlichen Nicht-Leguminosen,  Grasarten, ist abhängig von deren Wachstumsgeschwindigkeit. Beispielsweise kann der langsam wachsende Rotschwingel bereits im Herbst ausgebracht werden. Weidelgrasarten sind dabei erst im zeitigen Frühjahr zu etablieren. 

Ausbringung mithilfe der Güllesaat

Eine Möglichkeit zur Aussaat ist die Ausbringung mit der Güllesaat. Dabei sollten die Grassamen ab Februar in einem Vakuumfass ausgebracht werden. Am Ansaugstutzen sollte dafür ein 50 mm Bypass gelegt werden, um die Grassamen anzusaugen. Empfehlenswert ist es auch, die Grassamen für 30 - 45 Minuten in Wasser einzulegen (besonders bei einem hohen TS-Gehalt in der Gülle). Die Verteilung erfolgt durch Schleppschläuche, sodass eine bodennahe Aussaat sichergestellt wird. Bei der Wahl des Aussaattermines sollte zuvor ein Blick in den Wetterbericht geworfen werden, da nachfolgende Niederschläge nämlich den Erfolg der Ansaat erhöhen. 

Ausbringung mithilfe eines Pneumatikstreuers

Eine frühzeitige Ausbringung mit darauffolgendem Niederschlag verhindert, dass die Grassamen auf den Blättern der Rapspflanzen kleben bleiben. Bei Schneckenfraßgefahr sollte sollte die Ausbringung der Grassamen mit Schneckenkorn in Erwägung gezogen werden. 

Bei beiden Aussaattechniken handelt es sich lediglich um Vorschläge, keine Anleitungen. Das Nutzen anderer Technologien ist auch möglich. Gerne könnt ihr Erfahrungen mit der Ausbringung in den Kommentaren teilen! 

Nach der Rapsernte 

Nach der Rapsernte kann eine Kontrolle des Ausfallrapses mithilfe eines Mulchers oder eines Striegels erfolgen. Die Grünfläche kann bis zum Aussaattermin der nachfolgenden Hauptfrucht Stickstoff, Wasser und vor allem CO2 im Boden binden, die Bodenstruktur fördern und zu einer erhöhten Bodenbiodiversität beitragen. Besonders bewährt hat sich das Verfahren, wenn dem Raps eine Frühjahrskultur folgt.

Ein Beispiel aus der Praxis - Jake Freestone über seine Untersaat im Rapsbestand 2017

Freestone ist ein englischer Landwirt, der sich schon sehr früh mit den Praktiken der regenerativen Landwirtschaft auseinandergesetzt hat und auf seinem Blog Agricology über seinen Betrieb berichtet. Er zeigt anhand vieler interessanter Quellen die Vor- und Nachteile seiner Wirtschaftsweise auf. 

Jake Freestone berichtet über seine Untersaaten im Raps, bestehend aus Buchweizen und Wicken. Insgesamt war er mit seinem Ergebnis sehr zufrieden. Der Unkraut-und Schädlingsdruck hatte sich deutlich reduziert, sodass keine Insektizide und deutlich weniger synthetisch-chemische Pflanzenschutzmittel angewendet werden mussten. Freestone wies darauf hin, dass es wichtig sei, ausreichend Bodenbedeckung zu erreichen, ohne die Hauptfrucht dabei zu unterdrücken. 

Für Freestone hat die Mischung aus Buchweizen und Gräsern hervorragend funktioniert. Er pflanzte 2,5 kg Raps um ca. 50 Pflanzen pro qm zu erhalten, sowie 7 kg Buchweizen und 15 kg Gräser. Seine Ergebnisse haben ihn positiv gestimmt. Er erzielte eine gute Bodenbedeckung und konnte Wachstumskonkurrenz zwischen den Pflanzen verhindern. Sobald es unter die 5 Grad ging, ist der Buchweizen sicher abgefroren, sodass er im neuen Jahr zu keiner Überwachsungsgefahr kam.

Wie in allen Fällen betont auch Freestone, dass die Ergebnisse aufgrund des Klimas, Bodentyps, der Fruchtfolgestellung etc. variieren. Eine Pflanzenart kann in einem Jahr einwandfrei sein und sich im nächsten Jahr ganz anders verhalten. Hier geht es darum, sich auszuprobieren und untereinander auszutauschen - je mehr wir wissen, desto bessere Ergebnisse können wir erzielen. 

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