K├Ârnerleguminosen in der Fruchtfolge - Vorteile und...

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Körnerleguminosen bilden einen elementaren Bestandteil in den Fruchtfolgen der ökologischen Landwirtschaft. Ihre gute Vorfruchtwirkung, Stickstofffixierung, Humuswirkung und Standortpotentiale machen sie jedoch auch für immer mehr für die konventionelle Landwirtschaft interessant. Im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie des BMEL wird versucht, den Anbau von Körnerleguminosen zu fördern. Eine Aufnahme in die zukünftigen Eco-Schemes der GAP 2023 ist ebenfalls denkbar. Deswegen möchten wir euch bereits heute  über die Chancen und Probleme des Anbaus von Körnerleguminosen informieren.

Grundlagen des Anbaus 

Körnerleguminosen gehören zur Ordnung der Schmetterlingsblütler. Sie sind wichtige Eiweißträger und bilden dadurch neben ihren ackerbaulichen Vorteilen auch gute Futterwerte. Die in Deutschland am häufigsten angebauten Arten sind die Ackerbohne, Soja, Lupine, Linse und Erbse. Körnerleguminosen bilden eine Symbiose an ihren Wurzeln mit den sogenannten Knöllchenbakterien oder auch Rhizobien. Dadurch sind sie in der Lage Stickstoff aus der Luft zu fixieren. Dabei gibt es für jede Leguminosenart passend spezialisierte Bakterien, welche nicht alle natürlich im Boden vorkommen. Besonders bei nicht-heimischen Leguminosen wie Soja oder Lupine ist eine sogenannte “Impfung” des Saatguts mit den Rhizobien nötig. Mehr über Impfungen bei Leguminosen könnt ihr im Artikel “Impfungen bei Körnerleguminosen” erfahren. 

Vorteile des Anbaus von Körnerleguminosen

Durch die natürliche Stickstofffixierung benötigen die Pflanzen keinen zusätzlichen Stickstoffdünger, dieser würde sich negativ auf die Rhizobienentwicklung auswirken. Die Vorkultur sowie die Folgefrucht sollten stark stickstoffzehrend sein, um die Vorteile der Leguminose voll auszunutzen. Leguminosen als Vorfrucht können den Ertrag der Nachkultur um 10-30% steigern. Der Nmin-Gehalt im Boden sollte vor der Aussaat möglichst niedrig sein.

Durchschnittlich werden circa 150 kg Stickstoff je Hektar aus der Luft fixiert. Durch den Körnerabtrag verbleiben im Durchschnitt 50 kg auf dem Acker. Diese Zahlen können aber je nach Standort und Kultur stark schwanken. Die fehlende Düngung vermeidet Nährstoffauswaschungen und Emissionen. Dadurch benötigen Körnerleguminosen ebenfalls einen niedrigeren Arbeitszeitaufwand und geringeren Einsatz von Betriebsmitteln. 

Eine weitere positive Auswirkung des Körnerleguminosenanbaus ist die intensive Durchwurzelung des Bodens. Dadurch wird auf natürlichem Weg der Boden gelockert und es verbleiben hohe Anteile an Wurzelrückständen nach der Ernte im Boden. Diese können von Mikroorganismen wiederum in Humus umgewandelt werden, weswegen Körnerleguminosen humusmehrend wirken. 

Körnerleguminosen eignen sich desweiteren für die Auflockerung enger Fruchtfolgen. Sie unterbrechen die Weitergabe von kulturspezifischen Krankheiten wie beispielsweise Halmbruch, da sie keine Wirte für die Erreger darstellen. 

Herausforderungen im Anbau von Körnerleguminosen

Der Anbau von Körnerleguminosen bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich. Eines der größten Probleme im Anbau ist die sogenannte Leguminosenmüdigkeit. Diese beschreibt einen hohen Ertragsrückgang bei zu kurzen Anbaupausen zwischen Leguminosenkulturen. Verantwortlich dafür werden spezifische Krankheitserreger, besonders Pilze, im Boden gemacht. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht vollständig erforscht. Bei jeder Kultur sollten deswegen bestimmte Anbaupausen eingehalten werden, um Ertragsdepression zu vermeiden. Diese können sich je nach Standort, Fruchtfolge und Bewirtschaftungsweise unterscheiden:

Kultur

Anbaupausen

Erbse

6-9 Jahre

Soja

1-3 Jahre

Ackerbohne

3-5 Jahre

Linse

4-6 Jahre

Lupine

3-5 Jahre

Ein weiteres Problem kann in der Vermarktung liegen. Soja und Ackerbohne haben in der Regel einen guten Absatz, doch nicht jeder Betrieb besitzt die nötigen ökologischen Voraussetzungen für den Anbau dieser Kulturen. Besonders für anspruchslose Leguminosen mit niedrigerem Eiweißgehalt, wie Lupinen, kann sich eine gute Vermarktung schwierig gestalten. Für Vermarktungsinformationen bezüglich Körnerleguminosen in eurer Umgebung bietet die Abnehmerkarte des UFOP Information. Diese könnt ihr hier finden. 

Da das industrielle Interesse am Anbau von Körnerleguminosen in der Vergangenheit gering war, ist der Zuchtfortschritt in der Pflanzenzüchtung nicht mit dem der intensiv geförderten Kulturen, wie Weizen, zu vergleichen. Der Anbau von heimischen Leguminosen, wie der Ackerbohne, hat eine lange Tradition in Deutschland. Die Nutzung von Körnerleguminosen, Soja ausgeschlossen, ging in Europa im 20.Jahrhundert jedoch stark zurück. Im Jahr 2009 befanden sich Lupine, Ackerbohne und Körnererbse sogar auf der Liste der gefährdeten Kulturarten der deutschen Landwirtschaft. Die geringe Anbaufläche und Nutzung führte zu einem gehemmten züchterischen Interesse an der Weiterentwicklung von Körnerleguminosensorten. Diese Rückstände gilt es in nächster Zeit aufzuholen, um Probleme wie die langsame Jugendentwicklung, Selbstunverträglichkeit, Bitterstoffe in Lupinen und schwankende Erträge und Eiweißgehalte zu beseitigen. 

Körnerleguminosen können Fruchtfolgen nachhaltig aufwerten. Durch zusätzliche finanzielle Förderprogramme der Politik bleibt zu hoffen, dass sich mehr Vermarktungsstrukturen für den Anbau dieser Kulturen bilden. Für eine großflächige Nutzung von Körnerleguminosen müssen ebenfalls Fortschritte in der Pflanzen- und Sortenzüchtung erreicht werden. Diese beiden Entwicklungen würden es mehr Landwirtinnen und Landwirten erlauben, diese klimafreundlichen Kulturen in ihren Fruchtfolgen zu integrieren. 

In den folgenden Artikeln findest du weiterführende Informationen, wie du deine Fruchtfolgen u.a. mit Leguminosen auflockern kannst.