Das Konzept des “Integrated Pest Management” -...

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Derzeitig geht 35% der Ernte weltweit aufgrund von Schädlingen vor dem Ernten der Feldfrucht verloren. Diese Zahl ist durch den Einsatz von Pestiziden und anderen kontrollierenden Maßnahmen erst möglich. Jedoch zeigt der übermäßige Einsatz von Pestiziden auch unerwünschte Auswirkungen auf die Umwelt, menschliche Gesundheit und die langfristige Wirksamkeit gegen Schädlinge (Sekundärschädlinge und Pestizidresistenzen). Eine Alternative zu der derzeitigen Nutzung von Pestiziden ist der “Integrierte Pflanzenschutz” (IPS) oder international “Integrated Pest Management” (IPM). Die EU hat mit der „Farm to Fork“ und „Biodiversität Strategie“ das Ziel festgesetzt, den Einsatz von chemischen Pestiziden bis 2030 um 30% zu reduzieren.

 

Was ist IPM?  

Das Konzept von IPM kann bis zum späten 18. Jahrhundert nachverfolgt werden, bevor es als IPM bezeichnet wurde. In den 1960er Jahren wurde es in der westlichen Wissenschaft mit einem starken Fokus zur Bekämpfung von Insekten wiederbelebt. Der Grund dafür war, dass die unbedachte Anwendung von Breitbandinsektiziden die Entstehung von Pestizidresistenzen beschleunigt hat. Heutzutage gilt IPM für alle Aspekte des Pflanzenschutzes. Integrated Pest Management wird von der Food and Agricultural Organisation (FAO) der Vereinten Nationen wie folgt definiert: 

“Unter IPM versteht man die sorgfältige Abwägung aller verfügbaren Schädlingsbekämpfungsmethoden und die anschließende Integration geeigneter Maßnahmen, die der Entwicklung von Schädlingspopulationen entgegenwirken. IPM kombiniert biologische, chemische, physikalische und kulturspezifische (kulturelle) Bewirtschaftungsstrategien und -praktiken, um gesunde Pflanzen anzubauen und den Einsatz von Pestiziden zu minimieren, wodurch die Risiken von Pestiziden für die menschliche Gesundheit und die Umwelt im Sinne einer nachhaltigen Schädlingsbekämpfung verringert oder minimiert werden.”

Grundsätzlich kann über IPM gesagt werden, dass es ein praktisches Werkzeug des Schädlingsmanagements ist, welches unter der Berücksichtigung wirtschaftlicher, ökologischer und soziologischer Faktoren darauf abzielt, Ökosysteme langfristig zu erhalten. In anderen Worten: Das Ziel ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmittel auf einem Niveau zu halten, das wirtschaftlich, gesundheitlich und ökologisch vertretbar ist. Es ist ein dynamisches und flexibles System, welches viele komplexe Verbindungen zwischen Pflanzen, Tieren, Krankheiten und dem Boden aufweist. Dies macht IPM zu einem systemischen Ansatz, da Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Elementen dazu führen, dass die Veränderung eines Faktors das ganze System beeinflusst. Diese Interkonnektivität macht das Prinzip von IPM so komplex. Das Ziel von IPM ist nicht, die Schädlingsorganismen komplett zu eliminieren, sondern die Population so zu managen, dass diese unter dem wirtschaftlichen schädlichen Schwellenwert bleibt.

 

 

 

Diese Komplexität wird in der zweiten Stufe der Pyramide besonders deutlich. Alle Managementmethoden interagieren miteinander und können sich fördern oder auch negativ beeinflussen. Die Pyramide gibt an, in welcher Reihenfolge die Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgen sollen. Dies beginnt mit allen Maßnahmen, die dazu beitragen, ein Auftreten der Schädlinge zu verhindern. Darauf folgt die zweite Ebene, die fünf Methoden (siehe Pyramide) für das Schädlings- und Krankheitsmanagement. Erst wenn alle anderen Maßnahmen scheitern, dann sollen chemische Pestizide angewendet werden.   

 

Die acht Prinzipien des Integrated Pest Management

Die Europäische Union hat 2016 acht Prinzipien entwickelt, um einen Überblick zu geben, wie IPM am besten lokal angewendet werden kann. 

1. Vorbeugen und Hygiene

Zum Vorbeugen und Bekämpfen von Schadorganismen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

 

2.  Überwachung

Anwendung von geeigneten Methoden und Instrumente zur Überwachung sind:

 

3.  Schwellenwerte festlegen

Jeder Landwirt sollte Schwellenwerte aufgrund von fundiertem Wissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen festlegen. Drei Schwellenwerte sollten festgelegt werden:

 

4. Alternative Verfahren

Nachhaltige biologische, physikalische und andere nicht chemische Methoden sollen über chemischen Methoden bevorzugt werden.

 

5. Schutz von Umwelt und Nichtzielorganismen

Die Anwendung von Pestiziden sollte so spezifisch und effizient wie möglich erfolgen, um die Schäden an menschlicher Gesundheit und anderen Lebewesen zu reduzieren.

 

6. Begrenzung auf das Notwendige Maß

Der Anwender wendet Pestizide basierend auf der Notwendigkeit an, sodass das Risiko für die angebauten Kulturen und Umwelt möglichst gering bleibt und möglichst keine Resistenz in den Testorganismen aufgebaut werden kann.

 

7. Resistenzmanagement

Wo das Risiko einer Resistenz hoch ist und wo Schädlinge vermehrt bekämpft werden müssen, sollten die Anwendung möglichst so gestaltet werden, dass die Effektivität des Produktes erhalten bleibt. Dies kann durch den Einsatz unterschiedlicher Mittel gewährleistet werden.

 

8. Erfolgskontrolle

Auf der Grundlage der Aufzeichnungen über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und über die Überwachung von Schadorganismen soll der Anwender den Erfolg der angewandten Pflanzenschutzmaßnahmen überprüfen.

 

Die Drei Level des Integrated Pest Management

Es gibt drei unterschiedliche Ebenen der IPM-Implementierung, die eine langsame Steigerung der IPM-Methoden ermöglichen.

Stufe 1 beinhaltet Maßnahmen für die Kontrolle einzelner Spezien. Folgende Methoden werden in dieser Stufe angewendet: wirtschaftliche Schwellenwerte, kulturelle Kontrollen und selektive Verwendung von Pestiziden.

Stufe 2 erweitert die Kontrolle durch die Interaktionen mit mehreren Schädlingen und ihren Kontrolltaktiken. Zusätzlich zu Stufe-I-Strategien, können Stufe-II-Strategien Lebensraummanagement, Expertensysteme, dynamische Wirts-/Schädlingsmodelle und Überlegungen auf Gemeinschaftsebene umfassen.

Stufe 3 behandelt mehrere Schädlingsorganismen und ihre Bekämpfung innerhalb komplexer und vielfältiger Anbaukulturen. Strategien können neben Stufe-I- und -II-Strategien auch Prozesse auf Ökosystemebene beinhalten.